Ragnhild Maria Hauglid Henden (Oslo)

Archive der Verschwörung. Antisemitische Konspirationstheorien in der Literatur

Konspirationstheorien erleben in Krisenzeiten einen Aufschwung. Aber was soll eigentlich das Theoretische an solchen Konzepten sein? Vorstellungen von Verschwörung und Konspiration sind eine Mischung von Angst, unklaren Feindbildern und verwirrten Weltanschauungen, oft unter einem pseudowissenschaftlichen Firnis. Ich schlage in diesem Vortrag vor, dass die Anwendung des Begriffs der Konspirationstheorie ein schlechtes Theorieverständnis voraussetzt, denn wie literarische Bearbeitungen dieser Thematik deutlich machen, hat jenes Phänomen keinen wissenschaftlichen Inhalt.
Der Vortrag zeigt anhand von Textbeispielen aus den letzten 150 Jahren wie die gleiche Vorstellung vom verschwörerischen Juden ständig neu variiert werden. Texte über Konspiration bauen auf einander auf, indem sie den Kern ihrer Vorstellungen aus dem gleichen Archiv holen, das virtuelle antisemitische Archiv. Solche Schichten von Texten zeigen wie verschiedene Thematisierungen von Verschwörungsgedanken durch eine Relation verbunden sind, die nicht notwendigerweise intertextuell ist.

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