Andreas F. Kelletat (Mainz/Germersheim)

Wem gehört das übersetzte Gedicht? Plädoyer für einen anderen Umgang mit in deutscher Sprache geschriebenen Texten

Dass sich durch das Übersetzen die deutsche Literatur seit Jahrhunderten immens bereichert hat, ist ein Gemeinplatz. Dennoch haben die übersetzten Texte nicht konsequent Eingang in die – nach wie vor erstaunlich deutsch-national organisierte – Literaturgeschichtsschreibung und -forschung gefunden. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit ins Deutsche übersetzter Literatur wird mal den Philologien der jeweiligen Ausgangssprachen, mal der Komparatistik, mal der „Auslandsgermanistik“, mal der Translationswissenschaft zugewiesen, weil nur von diesen Disziplinen die Frage nach der „Treue“ der Übersetzung beantwortet werden könne. Das Gros der ins Deutsche übersetzten Literatur landet dadurch allerdings zwischen allen Stühlen… Der Vortrag wird den Ort des ins Deutsche übersetzten Textes neu durchdenken und für einen veränderten Umgang mit ihm plädieren.