Sandra J. Langer (Riga)

Ernst Jünger und Erich Maria Remarque – Kriegsliteratur und Kriegsliteraturdiskurs im 20. Jahrhundert

Sowohl Ernst Jünger als auch Erich Maria Remarque gehören zu den großen deutschen Autoren von Literatur zum Thema Krieg, wenngleich mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Jünger, der glühende Verfechter der menschlichen Erhebung im Krieg und durch Krieg, Remarque hingegen der Pazifist, der das Leiden der Menschen im Krieg und durch Krieg in den Vordergrund stellt. Beide Autoren verkaufen in Deutschland schon zu Zeiten der Weimarer Republik enorme Auflagen und werden allerorts diskutiert. Im Nationalsozialismus emigiriert Remarque in die USA, Ernst Jünger ist in der Wehrmacht. Beide Autoren sind auch nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf dem deutschen Buchmarkt präsent. Entscheidend sind jedoch die Positionen der beiden Autoren im literarischen Diskurs, denn durch sie wird ihre Rezeption bis in die Gegenwart geprägt. Denn das gesellschaftliche Klima der jungen Bundesrepublik begünstigt den Soldaten Jünger und verweigert dem Pazifisten Remarque die Anerkennung seines Schaffens mit Argumenten, die einer näheren Betrachtung wert sind. Der Umgang mit den beiden Autoren, speziell nach dem Zweiten Weltkrieg ist insofern bezeichnend, weil er spezifische Denk und Wertungsmuster aufzeigt, die im Gegensatz stehen zur Außendarstellung und dem angestrebten neuen Selbstverständnis der Bundesrepublik, die aber ihre Vergangenheit keineswegs überwunden hat. Ziel meines Beitrags ist aufzuzeigen anhand welcher diskursiver Mechanismen sich die Rezeption beider Autoren entwickelt und wie dies nicht nur ihre Rückkehr auf den Buchmarkt der Bundesrepublik beeinflusst, sondern auch die Rezeption bis in die Gegenwart prägt. Hierzu werden typische Argumentationsmuster der jeweiligen Zeit untersucht und in ihrer diskursiven Wirkmächtigkeit dargestellt. Prägend ist hierbei der Einstieg beider Autoren in den literarischen Diskurs in der Weimarer Republik. Denn der Diskurs um Kriegsliteratur ist von Beginn an nicht an einer ästhetischen Auseinandersetzung interessiert, aus literarischen Phänomenen entwickeln sich in kürzester Zeit politische Argumente, die zum Spielball rechter und linker Interessen gemacht werden. Weiterhin wird das Verhalten im Nationalsozialismus zum Maßstab des Autors in der Nachkriegszeit, mit verblüffendem Ergebnis.