Elisabeth Wåghäll Nivre (Stockholm)

Gefahren der frühneuzeitlichen Stadt am Beispiel des ‚Nachbarn‘-Romans von Jörg Wickram

”Du solt wissen / das noch andre Portugaleser aus Lisabona in diser stat Antorff sind / und derselbigen nit wenig / Aber fürnemlich zwen verlotteter böser buben / […]” (Georg Wickram, Von guten und bösen Nachbaurn, Hg. Von Hans-Gert Roloff (Berlin: de Gruyter, 1969): 143). Wenn der junge Portugiese Lasarus als Lehrling nach Antwerpen kommt, werden ihm gleich die Gefahren der Stadt von einem Freund deutlich gemacht. Der Held in Georg Wickrams Prosaroman aus dem Jahr 1556 sucht nicht mehr das ritterliche Abenteuer, sondern muss sich im urbanen Milieu als Goldschmied bewähren. Kriminalität und Gewalt werden zu Schlüsselbegriffen des frühneuzeitlichen Städtelebens, und Wickrams Protagonisten versuchen mit verschiedenen Taktiken sich den städtischen Lebensformen anzupassen, sich manchmal auch durchzuschlagen, ohne jemals den Glauben an eine bessere Welt/Stadt zu verlieren. Wenn das Thema Urbanität und Gewalt bisher vor allem ein Thema der frühneuzeitlichen Geschichtsforschung war, sucht dieser Beitrag sich aus einer literaturwissenschaftlichen Perspektive mit den Gefahren der Stadt am Beispiel von Wickrams Text auseinanderzusetzen.