Peter Colliander (Kopenhagen/München)

Zwei Aspekte der phonetischen Eindeutschung: Wörterbuchpraxis vs. Bedürfnisse der Sprachteilhaber

Im Beitrag wird der Begriff „phonetische Eindeutschung“ allgemein diskutiert und problematisiert, wobei der Versuch unternommen wird, die Prinzipien der bisherigen Aussprachewörterbücher und einiger anderer Wörterbücher wie „Duden Deutsches Universalwörterbuch“ und „Duden Das große Fremdwörterbuch“ im Bereich der Eindeutschung zu rekonstruieren. Als aktuelles, konkretes Beispiel werden die im „Deutschen Aussprachewörterbuch“ (Krech et al.; Berlin, New York 2009) aufgenommenen dänischen Proprien exemplarisch diskutiert, für deren Bearbeitung ich verantwortlich bin. Auch wenn das Dänische eine dem Deutschen nahe verwandte germanische Sprache ist, bereiteten die dänischen Proprien (und natürlich auch die wenigen dänischen Appelative, die in diesem Wörterbuch aufgenommen worden sind) eine breite Palette an Problemen bei der von den Herausgebern des Wörterbuchs gewünschten Eindeutschung, Probleme, die vielleicht erst bei dem Deutschen nicht verwandten oder ferner verwandten Sprachen zu erwarten wären. Es stellen sich dabei mehrere Fragen verschiedener Art, die im Beitrag diskutiert werden, z. B., ob bei der Eindeutschung bei allen Sprachen gleich vorgegangen werden sollte (man könnte sich vorstellen, dass wegen der heutigen Sonderstellung des Englischen und seines Status als Schulsprache bei der Eindeutschung englischer Wörter anders vorgegangen wird als bei anderen Sprachen). Eine andere zu diskutierende Frage wäre, welche Bedürfnisse/Erwartungen der Benutzer eines deutschen Aussprachewörterbuchs in Bezug auf die Angabe der Aussprache von fremden und Fremdwörtern hat. Im Beitrag werde ich für eine Differenzierung der Eindeutschung plädieren, und zwar in „Minimale Eindeutschung“, „Gemäßigte Eindeutschung“, „Maximale Eindeutschung“ und „Pragmatische Eindeutschung“, wobei das Prinzip der Pragmatischen Eindeutschung sozusagen einen Kompromiss zwischen den drei anderen Prinzipien darstellt. Eine solche Klassifizierung trägt meinem Wunsch Rechnung, bei der Eindeutschung die Anwender- und Anwendungsperspektive mit zu berücksichtigen.