Arash Farhidnia (Vilnius)

Die distinktive Synonymik als Basis für die zweisprachige Lexikographie

Die Praxis der modernen zweisprachigen Lexikographie ist gekennzeichnet durch ein benutzerzentriertes Konzept, das den raschen Kommunikationserfolg im Auge hat und daher den raschen Zugriff auf Einzelinformation sicherstellen soll. Um dieser Maxime zu genügen, werden im zweisprachigen Wörterbuch lexikalische Einheiten aus zwei Sprachen alphabetisch angeordnet und aus der einen in die andere Sprache übersetzt.
Diese gängige Praxis täuscht jedoch eine Gleichheit zwischen den dargestellten Wortschätzen vor, die in dieser Weise nicht existiert. Sämtliche Brüche und Ungleichheiten, die zwischen zwei Wortschätzen bzw. lexikalischen Systemen existieren, werden durch das Prinzip der Übersetzung im Verein mit der alphabetischen Anordnung nivelliert. So interpretiert der Wörterbuchbenutzer die fremde Sprache stets nach der Maßgabe seiner Muttersprache und hat folglich keine Chance, in die Welt der fremden Sprache wirklich einzudringen.
Der Vortrag verfolgt das Ziel, auf einige Probleme und Schwächen des zweisprachigen Wörterbuchs, die sich aus einer falsch verstandenen und zu einseitig auf vermeintliche Benutzerbedürfnisse abgestimmten Maxime ergeben, hinzuweisen. Es soll dann ein alternatives Modell vorgeschlagen werden, das nicht so sehr den raschen Kommunikationserfolg im Auge hat, sondern eine möglichst adäquate Einsicht in die lexikalischen Inkongruenzen der behandelten Wortschätze gewähren will.

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