Anke Heier (Aarhus)

Neopurismus in gegenwärtigen deutschen Sprachkontaktwörterbüchern – Ein Beitrag über den Anglizismendiskurs.

Betrachtet man das Wörterbuchangebot zum sog. Fremdwortschatz des Deutschen nach seiner intentionalen Ausrichtung und seiner lexikografischen Gestaltung, so scheinen puristische Wörterbücher, v.a. solche, die namentlich der wortersetzenden Verdeutschung dienen sollen, nach 1945 keine Rolle mehr zu spielen. Zwar wird bis zum Beginn der 1970er Jahre in einigen worterklärenden Nachschlagewerken weiterhin puristisch – genauer sprachstrukturell und sprachkritisch – argumentiert, doch schlägt sich das nicht in den lexikografischen Entscheidungen nieder.
Mit der von Jung (1995), Pfalzgraf (2006) und Spitzmüller (2005) für die Zeit seit Mitte der 1990er Jahre festgestellten Wende im außerlexikografischen puristischen Diskurs in Richtung institutionalisierte und re-nationalisierte, wenn auch selektive Anglizismenkritik setzt auch die lexikografische Beschäftigung auf diesem Gebiet wieder ein. Quantitativ ist sie nicht auffällig, aber qualitativ schließt diese Beschäftigung an die Inhalte und Einstellungen der Zeit vor 1945, genauer an die Arbeiten des ADSV an. Das Zentrum bildet das Wörterbuch überflüssiger Anglizismen. Es ist das erfolgreichste Wörterbuch seiner Art im deutschen Sprachraum und steht dem gegenwärtig sehr populären Sprachverein in Deutschland, dem Verein Deutsche Sprache e. V. nahe. Es wird mittlerweile vom Anglizismen-Index des Vereins abgegrenzt. Im Vortrag soll das Wörterbuch lexikografisch und programmatisch vor dem Hintergrund der Grundsätze und Ziele des VDS sowie eingebettet in den Zusammenhang des puristischen Wörterbuchstranges im Deutschen betrachtet werden. Dabei werden auch verschiedene Auflagen des Buches verglichen, um zu ermitteln, ob und wie die Autoren auf Zuspruch bzw. Kritik von außen und auf sprachliche Entwicklungen reagiert haben.