Janika Kärk (Tallinn)

Änderung der kommunikativen Funktion des Satzes durch Abtönungspartikeln im Deutschen und im Estnischen

Modal- oder Abtönungspartikeln (AP) werden meistens als Wörter beschrieben, die im Satz kaum semantischen Inhalt haben und dementsprechend (fast) überflüssig sind. Man kann sie im Satz weglassen, ohne, dass der Satz grammatisch unkorrekt wird. Anders ist es bei der pragmatischen Funktion des Satzes, bei der AP eine entscheidende Rolle spielen können. Darüber hinaus, dass die AP kommunikationssteuernd, konnektierend und beziehungsaufbauend wirken, können die AP z.B. die kommunikative Funktion eines Satzes ändern. Aus dem Fragesatz: „Wer isst Fleisch?“, auf den man einen simplen Antwort über die Essenswünsche des Angesprochenen erwartet, wird durch das Einfügen der Partikel denn eine rhetorische Frage („Wer isst denn Fleisch!”), die keine Antwort braucht.
Im Vortrag werden die AP, die die kommunikative Funktion des Satzes ändern, kontrastiv unter Betracht gezogen. Dabei wird gezeigt, welche AP im Deutschen sowie im Estnischen die kommunikative Funktion verschieben können (z.B. Fragesätze, die einen Befehl oder Bitte ausdrücken) und inwiefern sich die AP in den untersuchten Sprachen übersetzbar sind. Dabei christallisieren die übersetzungsrelevante Charakteristika der AP heraus, so dass die konversationelle Verwendbarkeit der betreffenden AP festgestellt wird. Somit wirft die Untersuchung neues Licht auf die umstrittene Problematik der Übersetzbarkeit der AP aus dem Deutschen ins Estnische und umgekehrt.