Valeria Molnár (Lund)

Fragen im Fokus – Fokus in Fragen

In meinem Vortrag möchte ich auf einige zentrale Fragestellungen und Probleme der aktuellen Forschung bezüglich der Semantik bzw. Pragmatik der Fragen eingehen. Diese beziehen sich u.a. auf das Vorliegen von Präsuppositionen vs. Implikaturen in Fragen und auf die Relation zwischen Fragen und Fokussierung. Fragen werden in der einschlägigen Literatur zu denjenigen Konstruktionen gerechnet, die existentielle Präsuppositionen auslösen. Diesbezüglich scheinen allerdings eine Differenzierung der verschiedenen Fragetypen und die Einschränkung der Annahme der Präsupposition auf bestimmte Fragetypen notwendig. Es wird in der Regel auch angenommen, dass sich Fragen und Fokussierung in semantisch /pragmatischer Hinsicht aufeinander beziehen lassen, indem das fokussierte Glied in der Antwort auf eine Frage mit der erfragten Konstituente übereinstimmt. Fragen werden semantisch als die Menge aller möglichen Antworten repräsentiert, während der semantische Effekt der Fokussierung als Hervorrufung von Alternativen zu der fokussierten Konstituente angegeben wird. Bei der Markierung der Fragen und der Fokussierung lassen sich auch in einem typologischen Vergleich Ähnlichkeiten feststellen. Kontrovers ist allerdings die Frage, inwiefern Exhaustivität für Fragen und Fokussierung entscheidend ist. Ich möchte bei der Diskussion der semantischen bzw. pragmatischen Aspekte der Fragen auch die kontrastive Perspektive beachten und die Aufmerksamkeit vor allem auf die Unterschiede zwischen dem Deutschen und Schwedischen bezüglich der Realisierung der Fragen richten.  Beim Vergleich des Deutschen und Schwedischen fällt nämlich auf, dass im Schwedischen die Satzspaltung – eine sowohl mit den Präsuppositionen als auch mit der Fokussierung und Exhaustivität im Zusammenhang stehende Konstruktion – viel häufiger als im Deutschen verwendet wird und der Disambiguierung der diskurssemantischen Verhältnisse dient.