Anne Arold (Tartu)

Syntaktische Konstruktionen im Estnischen und im Deutschen und deren lexikografische Erfassung als Teil des Fremdsprachenunterrichts

Zur Aneignung von syntaktischen Strukturen und lexikalischen Kollokationen werden u. a. verschiedene Konstruktionswörterbücher verwendet. Durch den Einsatz von Kollokations-, Rektions- und Valenzwörterbüchern im Unterricht werden vor allem deduktive Fähigkeiten der Lernenden gefördert, durch eine gemeinsame Analyse von diskurstypischen Konstruktionen aber die induktiven Prozesse des Spracherwerbs. Eine zielgerechte und durchdachte Kombination der beiden Verfahren könnte vor allem bei fortgeschrittenen und besonders sprachbewussten Lernenden guten Erfolg versprechen. Anhand praktischer Beispiele werden im Vortrag einige Vor- und Nachteile der beiden Verfahren zusammengefasst, durch die jeweils unterschiedliche Fähigkeiten der Lernenden unterstützt werden sollten. Im ersten Teil wird das Konzept des deutsch-estnischen Valenzwörterbuchs vorgestellt, dessen langwierige Erarbeitung zu einem entscheidenden Meilenstein gelangt ist. Das (beinahe) druckreife Manuskript enthält 745 Lemmata, in denen verschiedene Satzmodelle der geläufigsten deutschen Verben und deren estnischer Entsprechungen beschrieben und durch Beispielssätze in beiden Sprachen illustriert werden. Der zweite Teil des Vortrags ist dem multilateralen Projekt KoGloss gewidmet – einem Versuch, durch eine korpusbezogene Konkordanzanalyse samt anschließender kollaborativer Glossierung der Ergebnisse im Online-Studienportal Moodle ein viersprachiges Fachsprachenglossar aufzustellen. Die beiden Projekte sind inzwischen im Rahmen eines Lexikografiekurses von estnischen MA-Studierenden getestet und ausgewertet worden. Das positive und konstruktive Feedback von den Beteiligten gibt den Anlass, die erarbeiteten Unterrichtsmittel als Ergänzung zum herkömmlichen Sprachunterricht zu empfehlen.