Merle Jung (Tallinn)

Möglichkeiten des integrierten Inhalts- und Sprachlernens an estnischen Schulen

Eine der Aufgaben der Schule ist, den Erwerb von Handlungsfähigkeiten der Schüler in einer interkulturellen und mehrsprachigen Welt zu unterstützen. Um dieses Ziel zu erreichen, reicht der traditionelle Fremdsprachenunterricht häufig nicht mehr aus. Aus diesem Grund wird in letzter Zeit immer mehr über das integrierte Inhalts- und Sprachlernen (content and language integrated learning – CLIL) gesprochen.
Das integrierte Inhalts- und Sprachlernen basiert auf der Hypothese, dass die Fremdsprache am besten erworben wird, wenn man sich im Unterricht nicht so viel auf die Sprache – ihre Formen und Strukturen – sondern auf die Inhalte, die durch die Sprache übermittelt werden, konzentriert.  Die didaktischen Konzeptionen von CLIL reichen vom Fremdsprachenlernen über Fachinhalte bis zum Fachunterricht in einer Schulfremdsprache. Ein möglicher dritter Weg liegt im Schnittpunkt von Sachfach- und Fremdsprachendidaktik, d. h. in einer integrierten Perspektive von beiden didaktischen Modellen.
Mit dem integrierten Inhalts- und Sprachlernen werden vor allem folgende Ziele angestrebt:

  • Förderung interkulturellen Lernens durch den Einbezug fremdsprachiger Texte und dadurch die Eröffnung anderer Perspektiven auf das Sachfach;
  • Förderung der Mehrsprachigkeit;
  • Entwicklung von Kompetenzen für lebenslanges Lernen, z. B. der Fähigkeit, fremdsprachigen Fachtexten die wichtigsten Informationen zu entnehmen;
  • individuelle Förderung von allen Schülern durch Binnendifferenzierung.

Das neue staatliche Curriculum Estlands für die 9-klassige Schule von 2010 legt fest, dass der Erwerb von Fremdsprachen in Kooperation und Integration mit anderen nicht-sprachlichen Fachbereichen erfolgen soll und das integrierte Inhalts- und Sprachlernen gefördert werden muss. Das Curriculum wird seit September 2011 implementiert und es besteht die Notwendigkeit, nach Möglichkeiten und Modellen zu suchen, wie diese Herausforderung am besten zu bewältigen wäre. Im Vortrag wird unter anderem ein Überblick darüber gegeben, welche Formen des integrierten Inhalts- und Sprachlernens im estnischen Bildungssystem schon praktiziert werden und welche Möglichkeiten noch ausprobiert werden sollten.
Gute Fremdsprachenkenntnisse bilden die Grundlage der Bildung des 21. Jahrhunderts. Daher gehört die Effektivität des Fremdsprachenlernens zu den Schlüsselfragen unserer Zeit.