Joachim Liedtke (Kristianstad)

Der fremdsprachliche Lexikerwerb – ein kontrovers diskutiertes Thema

Das in jüngerer Zeit in der Fremdsprachendidaktik zu beobachtende wiedererwachende Interesse an gezielter Wortschatzarbeit hat auch die Debatte über die Relevanz der Kontextbezüge des lexikalischen Lernmaterials erneut belebt. Neben der Polarisierung von inzidentellem und intentionalem Lernen rückt dabei vor allem die Frage nach dem anzustrebenden Grad der Kontextualisierung des Lernstoffes in den Mittelpunkt der Kontroverse.
Während die in der Tradition von Krashens Input-Hypothese stehenden Vertreter den kontextintegrierten Wortschatzerwerb im Rahmen von Lese- und Hörverständnisaktivitäten propagieren, fordern andere Fremdsprachendidaktiker – wie insbesondere B. Laufer (u.a. 2001, 2006, 2009, 2010) –, dem systematischen und form-fokussieren Wortschatzlernen beträchtlich mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als dies im Rahmen von Lese- und Hörverständnisübungen angesichts der damit verbundenen Vagheit und der beschränkten Fokussierung auf lexikalische Spezifika eingelöst werden kann.
In meinem Konferenzbeitrag möchte ich die Zwischenresultate einer longitudinalen Pilotstudie präsentieren, in der unter Einsatz einer speziell dafür programmierten Lernsoftware (TEXLEX) empirisch untersucht wird, in welchem Maße das längerfristige erfolgreiche Vokabellernen vom Kontextualisierungsgrad der Lehr- und Lernmaterialien sowie den damit verbundenen Randbedingungen abhängig ist.
Im Hinblick auf die oben skizzierte Kontroverse soll dabei erörtert werden, in welchem Umfang der Kontextualisierungsgrad der fremdsprachlichen Wortschatzaneignung und die daran geknüpfte kognitive Verarbeitungstiefe mit der Lernprogression und dem Lernerfolg korrelieren und welche Schlussfolgerungen sich daraus für eine Optimierung der Fremdsprachendidaktik ziehen lassen.

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