Ingrid Simonnæs (Bergen)

Über die Deutschkenntnisse der Kandidaten der nationalen Übersetzerprüfung (statsautorisert translatøreksamen) – Nicht ausreichende Grundkenntnisse wegen schwacher Stellung von DaF in Norwegen?

Seit den 70er Jahren ist die Norwegische Wirtschaftsuniversität (NHH) zuständig für die nationale Übersetzerprüfung Norwegens (statsautorisert translatøreksamen). Als langjähriges Mitglied der Prüfungskommission für Norwegisch-Deutsch/Deutsch-Norwegisch diskutiert die Verfasserin das Niveau der Deutsch-Kenntnisse der Kandidaten zu verschiedenen Zeitpunkten der letzten 20 Jahre und in der Gegenwart und hebt dabei gleichzeitig die Unterschiede der Voraussetzungen für die Zulassung hervor. Anfangs gab es lange Zeit nur eine Zulassung, die für beide Sprachrichtungen galt, dann die Zulassungsmöglichkeit in nur einer Sprachrichtung (aus dem Norwegischen in die Fremdsprache oder umgekehrt), beide Male nachdem die Prüfungsleistungen in einer Klausur erbracht worden waren, und jüngst (seit Herbst 2011) eine Eignungsprüfung aus dem Norwegischen in die Fremdsprache (hier Deutsch), die als Übersetzung, begleitet von einem Reflexionstext, einer Art von schriftlichem Think-Aloud-Protocol (TAP), innerhalb von 2-Wochen als Hausarbeit zu erbringen ist.
Aufgrund des allgemein geringen Interesses im sekundären und tertiärem Bildungssystem Norwegens für DaF lässt das geringe Datenmaterial zwar keine Verallgemeinerung zu, scheint aber dennoch eine gewisse Verbesserung der Deutsch-Kenntnisse zu belegen. Die Ursachen hierfür scheinen zu sein: (1) Änderungen in der Zulassungsvoraussetzung zur Prüfung aufgrund EU-rechtlicher Vorgaben, (2) Hilfeleistungen seitens der NHH in Form von Kurzseminaren und (3) fortlaufend aktualisierte Literaturlisten mit zentralen Titeln für ein Selbststudium, sowie (4) Aneignung extralinguistischen Wissens aus den Bereichen Wirtschaft, Recht und Technik, das für die Übersetzung von für diese Prüfung relevanten Fachtexten eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen dürfte.