Skaistė Volungevičienė (Vilnius)

Konstruktionsglossare im Fachsprachenlernen: Zur KoGloss-Methode und Anwendung

Im traditionellen Sinne dienen die Methoden der Lexikografie vor allem zur Erstellung großer Nachschlagewerke oder Datenbanken. Oft wird aber außer Acht gelassen, dass Lexikografie auch ein großes sprachdidaktisches Potenzial hat und nicht nur das lexikografische Produkt, sondern bereits das Arbeiten daran als sprachreflexives Verfahren wichtig sein kann.
Im Mittelpunkt des Vortrags steht das seit Januar 2011 von der EU im Lifelong Learning Programm (LLP) geförderte zweijährige Projekt „Konstruktionsglossare im Fachsprachenlernen“ (Ko[Gloss]), das mit Partnern der Universitäten Tartu (Estland), Ventspils (Lettland) und Vilnius (Litauen) durchgeführt und von der Universität Duisburg-Essen (Deutschland) koordiniert wird.
KoGloss erarbeitet, testet und dokumentiert eine sprachdidaktische Methode und realisiert das didaktische Konzept des handlungsorientierten Unterrichts. Die Methode umfasst drei Schritte: die Sammlung authentischen Textmaterials, dessen Erschließung mittels professioneller, frei zugänglicher Sprachsoftware und die Dokumentation der Ergebnisse in dem weitverbreiteten E-Learning-System Moodle.
Das methodische Ziel des Projekts ist prinzipiell unabhängig von den Sprachen und von den fachlichen Bereichen des Textmaterials. Es wird an den Sprachen Estnisch, Lettisch, Litauisch und Deutsch beispielhaft erprobt. Als exemplarisches Diskursthema wurde Konjunktur und Konjunkturentwicklung gewählt. Die Basis der Analyse bilden vier vergleichbare Korpora. Die Textanalyse bezieht sich auf verbale Konstruktionen, die für die Kohärenz eines Textes wichtig sind und bei der Textproduktion sowie beim Textverstehen eine große Rolle spielen, wie z. B.: in Auftrag geben, deuten darauf hin, dass u. a. Die Ergebnisse der Analyse werden also weiter beim Erfassen und Verfassen von Fachtexten eingesetzt, dadurch wird eine höhere Sprachbewusstheit sowohl bei Muttersprachlern als auch bei Nichtmuttersprachlern erzielt.
Das KoGloss-Projekt ist für die drei baltischen Partner von besonderer Bedeutung. Die kleinen Länder wollen ihre eigenen Fachsprachen schon im Studium kultivieren und aktualisieren, damit sie durch das globale Englisch nicht immer mehr ersetzt werden und somit völlig verschwinden.

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