Constanze Ackermann-Boström (Uppsala)

Russisch, deutsch, russlanddeutsch? Zum Sprachgebrauch von russlanddeutschen Jugendlichen

Seit 1990 sind rund 2,1 Millionen Spätaussiedler aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland zugewandert. Ihre sprachlich-soziale Situation in der Bundesrepublik ist durch eine charakteristische Mehrsprachigkeit markiert. Zum einen bildete das Russische nicht mehr die Funktion einer Verkehr- oder Kontaktsprache auf gesellschaftlicher Ebene. Zum anderen waren viele gezwungen, die deutsche Sprache neu zu erlernen oder ihre Sprachkenntnisse zu erweitern. Der Sprachgebrauch der ersten Generation wurde im Rahmen des am Institut für Deutsche Sprache angesiedelten Projekts „Sprachliche Integration von Aussiedlern“ von Berend (1998) und Meng (2001) eingehend untersucht. Dabei stützen sie sich auf Aufnahmen, die Anfang der 1990er Jahre in Mannheim sowie im Saarland aufgezeichnet wurden. Aktuelle Studien zur Mehrsprachigkeit der zweiten und dritten Generation bzw. zur Situation der Russlanddeutschen in anderen Regionen Deutschlands fehlen bisher. Im Rahmen meines Dissertationsprojektes untersuche ich Sprach- und Kommunikationsformen von russlanddeutschen Jugendlichen zwischen 18 und 20 Jahren mit Hilfe von narrativen Interviews und ethnografischen Beobachtungen an einem Jugendzentrum in Ostdeutschland, um Aussagen über deren konkreten Sprachgebrauch und ihre Einstellungen zur eigenen Mehrsprachigkeit erhalten zu können. Dabei erhoffe ich mir unter anderem, situations- oder domänenspezifische Muster der Sprachbenutzung erkennen zu können. In meinem Vortrag möchte ich erste Ergebnisse der Sichtung meines Materials präsentieren. Dabei werde ich auf die Rollen Bezug nehmen, die die Sprachen (Deutsch, Russisch, Englisch usw.) und andere sprachliche Varietäten (Dialekte) in der alltäglichen Kommunikation der Jugendlichen spielen und auch auf über den Einfluss der spezifischen Lebenssituation in einer eher monolingualen Kleinstadt auf die Sprachverwendung der Jugendlichen referieren.

Berend, Nina (1998): Sprachliche Anpassung. Eine soziolinguistisch-dialektologische Untersuchung zum Rußlanddeutschen (=Studien zur deutschen Sprache. Forschungen des Instituts für Deutsche Sprache 14).Tübingen: Gunter Narr.
Meng, Katharina (2001): Russlanddeutsche Sprachbiografien. Untersuchungen zur sprachlichen Integration von Aussiedlerfamilien (=Studien zur deutschen Sprache. Forschungen des Instituts für Deutsche Sprache 21). Tübingen: Narr.

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