Maren Eckart & Anneli Fjordevik (Falun/Borlänge)

Vorreden in vormoderner Literatur von und über Frauen

Paratexte sind Begleittexte, die den Text an sich umgeben und verlängern und häufig auch die Rezeption steuern. Einen wichtigen Paratext im Sinne von Gérard Genette, der diesen Begriff geprägt hat, stellt das Vorwort dar. Ausgehend von seiner Definition des Vorwortes als jenes »transaktionales« Beiwerk, durch das ein Text zum Buch wird und als solches vor die Öffentlichkeit tritt, erfolgen im Beitrag Reflexionen über Vorworte von und über Frauen in vormoderner Literatur.

a) Weibliche Selbstbilder in Frauenliteratur um 1800 (Anneli Fjordevik)
Im ausgehenden 18. Jahrhundert und am Anfang des 19. Jahrhunderts wurde im deutschen Sprachraum streng zwischen Kunst und ,,nicht-Kunst” unterschieden. Eine intensive Diskussion über den sogenannten Dilettantismus und die Kunst wurde im Briefwechsel Goethes und Schillers geführt, wobei sie als gegensätzliche Wertsphäre erschienen: Der Dilettant arbeitet nach dem ersten Gefühlseindruck und sein Werk wird als Produkt der Natur, nicht der Kunst und des Könnens gesehen. Weiter wurde das dilettantische Werk als nicht-professionell betrachtet, was dazu führte, dass die gesamte Literatur von Frauen als dilettantisch gesehen wurde, denn die Vorstellung von einer Berufsschriftstellerin gab es im Denkhorizont dieser Epoche noch nicht. Oft wurden die Werke der Schriftstellerinnen anonym oder unter Pseudonym publiziert. Mentoren haben sich auch eingemischt und versucht, ihre Stimmen den ,,unerfahrenen” weiblichen Schriftsteller zu verleihen. Immerhin gab es Frauen, die unter eigenem Namen publizierten und in Vorworten selbst zum Wort kamen. In diesem Vortrag sollen ein paar Vorworte gelesen und analysiert werden, z.B. in Werken von Friederike Helene Unger und Caroline Auguste Fischer, um ein Bild davon zu bekommen, wie die Frauen selbst ihre Autorschaft aufgefasst haben.

b) Gattungs- und genderbezogene Metareflexionen in frühneuzeitlichen Regentinnenbiographien (Maren Eckart)
Die Gattung Biographie, die sich an der Schnittstelle von historischer »Wahrheit« und Fiktion befindet, war im 17. und frühen 18. Jahrhundert im Begriff, sich genremäßig zu formieren. Die häufig anonymen Verfasser von Lebensschilderungen empfanden daher den Zwang, sich anderen Textsorten gegenüber abzusetzen und ihre eigene Erzählform zu rechtfertigen, was in der Regel in Vorworten geschah. Da Biographien von einer spezifischen Erzählabsicht getragen und mit der biographischen (Re-)Konstruktion zugleich Geschlechterkonstruktionen geschaffen werden, ist zudem die Wahl des biographischen Objektes von besonderem Interesse. Wenn dieses biographische Objekt beispielsweise eine Regentin war, die von ihrer sozialen Rolle her mit normierenden Geschlechterrollen brach, mussten die Verfasser Gründe für ihre Biographiewürdigkeit in einer traditionell eher männlichen Erzählform finden. Der Beitrag möchte an Hand von Beispielen veranschaulichen, wie Biographen durch paratextuelle Metareflexionen in Vorworten den Erzähltext als eine spezifische Gattung und die Wahl des biographischen Objektes zu legitimieren versuchen.