Benedikt Faber (Greven)

Axt in uns oder Brett vor dem Kopf? Zum Stellenwert von Literatur und Literaturunterricht für die Schülerschaft von heute – Empirische Befunde, Fragen, Konsequenzen

Jeder weiß aus eigener Erfahrung, wie inspirierend und bewegend literarische Texte sein können, wie sich einem das Handeln einer Romanfigur, die Symbolik eines Märchens oder das Pathos eines lyrischen Ich eingeprägt hat. Solch einschneidende fiktionale Begegnungen können einem durchaus oder gerade in jungen Jahren widerfahren, sie finden jedoch vergleichsweise selten im Klassenzimmer statt. Es scheint fast, als passten sie nicht recht in einen institutionalisierten Rahmen, wie ihn die Schule darstellt, obwohl doch die deutschen Bildungspläne der Auseinandersetzung mit Literatur im Unterricht eine große Bedeutung beimessen.
In meinem Vortrag möchte ich mich den Fragen widmen, welchen Stellenwert Literatur für deutsche Schülerinnen und Schüler von heute hat und welche Rolle in dieser Beziehung der Deutsch- oder genauer gesagt der Literaturunterricht spielt bzw. spielen sollte. Auf Basis von Fragebögen zu Literatur im Allgemeinen und Literaturunterricht im Besonderen soll zunächst die Schüler-Sicht wiedergegeben werden; befragt u. a. nach der Bedeutung des Lesens, der Lesesozialisation, dem heutigen Leseverhalten sowie der Haltung zu schulischem Lektürekanon und dessen unterrichtlicher Rezeption und Analyse wurden angehende Abiturienten diverser staatlicher und privater Gymnasien (in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg) sowie zwei deutscher Auslandsschulen. Diese Positionen sind im Folgenden einerseits mit den allgemeinen Richtlinien/Vorgaben der Kultusministerien und andererseits mit dem Stand der Literaturdidaktik und ihrer Forderungen abzugleichen. Abschließend wird zu diskutieren sein, ob (und wenn ja, welche) neue(n) Ansprüche an Literaturkanons, Lehrerausbildung sowie letztlich den Literaturunterricht aus den Ergebnissen der Befragung abzuleiten sind. Angesichts der internationalen Ausrichtung der Tagung dürfte es zudem spannend sein, sich über Erfahrungen und Anregungen aus anderen Ländern auszutauschen.