Jan P. Pietzuch (Bergen)

„Wie bitte, Diskurse aneignen?“ – Diskursforschung und Diskursdidaktik in den Kulturstudien DaF

Seit der sozial-, literatur- und mithin auch sprachwissenschaftlichen Rezeption foucaultscher Theoreme finden sich in der neueren deutschsprachigen Fremdsprachenforschung zumindest ein pragmalinguistisches, ein kommunikationstheoretisches und ein (wissens-)soziologisches Konzept von ‚Diskurs‘. Während diese drei Diskurskonzepte (Gespräch – Kommunikationsmodus – Wissensordnung) bislang weitgehend unvermittelt nebeneinander stehen, sollten insbesondere die Kulturstudien DaF daran interessiert sein, das Zusammenspiel dieser Konzepte – und damit auch den Nexus von ‚Sprache‘ und ‚Kultur‘ – theoretisch, empirisch und didaktisch auszuarbeiten.
Der Beitrag stellt entsprechend eine diskurstheoretisch begründete Heuristik zur Re-/Konstruktion diskursiver und personaler Kulturkonstrukte zur Diskussion, die es ermöglichen soll, das Verhältnis zwischen ‚kulturbezogenen‘ fremdsprachlichen Aneignungs- und Vermittlungsprozessen und deren Situiertheit in sprachlich-symbolisch prozessierten, sozialen Wissensordnungen diskursanalytisch zu untersuchen und diskursdidaktisch umzusetzen.
Dabei wird in Anknüpfung an neuere kultur-, bildungs- und spracherwerbstheoretische Diskussionen skizziert, wie 1) die konstitutiven Begriffe ‚Kultur‘, ‚Subjekt‘ und ‚Lernen‘ mit Hilfe der Kategorien a) Diskursivität, b) Narrativität und c) Dialogizität als forschungsmethodologische Konzepte aktualisiert und als didaktische Konzepte konkretisiert werden können – und wie 2) kulturbezogene Lernprozesse auf Grundlage der Ansätze a) diskursives Selbst, b) narratives Selbst und c) dialogisches Selbst als Ko-/Modifikation personaler Kulturkonstrukte (d.h. individueller Repertoires an Deutungsmustern, Basis-Erzählungen und Ich-Positionen) in der Aneignung fremdsprachlicher Diskurse modelliert werden können.

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