Charlotta Seiler Brylla (Stockholm)

Funktion der Narrative in Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“. Eine diskursanalytische Studie.

Thilo Sarrazins Buch Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen (2010) ist eines der meist verkauften Sachbücher der Nachkriegszeit und sorgte für großes mediales Aufsehen. Auch in ausländischen Medien wurden Sarrazins Thesen zur Migration, Demographie und Bildung heftig diskutiert. In den Debatten wurde Sarrazin u. a. vorgeworfen, rassistisch und menschenverachtend zu argumentieren, sogar nationalsozialistische Denkmuster wurden ihm von einigen KritikerInnen unterstellt. Seine FürsprecherInnen meinten wiederum, niemand würde diskriminiert, vielmehr präsentiere Sarrazin lediglich eine Reihe unangenehmer Wahrheiten, welche schon längst hätten thematisiert werden sollen. Sarrazin selbst rechtfertigte wiederholt die Aussagen des Buches damit, seine Thesen würden auf harte Fakten bauen.
In meinem Vortrag analysiere ich die Argumentationsstrategien in Sarrazins Buch. Mithilfe einer diskursanalytischen Studie wird untersucht, mit welchen sprachlichen Mitteln er für seine Thesen argumentiert. Ferner soll der Frage nachgegangen werden, mit welchen Quellen des Wissens er seine Argumentation belegt. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf die Narrative gelegt werden, die bei Sarrazin eine zentrale Rolle spielen. Narrative sind Erzählungen aus dem „Leben“, die einen oder mehrere Akteure aufweisen. Sie sollen Authentizität und Glaubwürdigkeit der Darstellung suggerieren, übernehmen aber auch diskursive Funktionen. Intendiert wird dabei, durch Einzelfallschilderungen Aussagen über allgemeine Zusammenhänge zu verifizieren sowie komplexe Vorgänge zu konkretisieren bzw. zu veranschaulichen. Was konzeptualisieren diese Erzählungen und was bewirken sie im Text? Anhand von Textbeispielen soll die Funktion der narrativen Strukturen in Sarrazins Buch herausgearbeitet und diskutiert werden.